BERNHART MAURACHER
NIL: Ist es ein geheimes Juwel, oder verrätst du uns den Bach, der den bleibensten Eindruck bei dir hinterlassen hat?B: Die Kraft der Ötztaler Ache
NIL: Ein dir noch nicht bekannter Fluss gabelt sich plötzlich vor dir, du steigst aus und besichtigst: Der linke, kleinere Arm staut auffällig. Ums nächste Eck kippt das Wasser über eine 8m hohe Kante in einen dunkelgrünen Pool… Der rechte Arm kriegt das fette Wasser ab, fällt wuchtig zwischen rotbraunen Granitblöcken über eine Länge von einigen Hundert Metern ab, bevor am Ende des Kataraktes einige große Wellen zum Surfen einladen. …Was jetzt?
B: Ich müsste unbedingt alle beide ausprobieren, denn ich liebe die Wasserfälle genau so sehr wie wuchtige steile lange Katarakte. Die Wellen am Ausgang sind mir eher egal. Eventuell noch schnell einen Wavewheel.
NIL: Wer sind deine „Reisebegleiter“ wenns mal härter wird?
B: Im schweren Wildwasser braucht man Paddler, die wissen auf was es ankommt und die sich nicht überschätzen, nur weil z.B. eine Kamera mitläuft. Es gibt Paddler wie Hendrik Joosten, Stephan Huber, Olaf Obsommer, Daniel Herzig, die es wirklich draufhaben um durch dick und dünn zu gehen.
NIL: Du hast in der Türkei etwas länger die Luft anhalten müssen, was geht da durch den Kopf und wie verdaut man das?
B: Wichtig ist, dass man unter Wasser die Ruhe bewahrt, ruhig bleibt und überlegt. Es ist doch ein sehr unangenehmes Gefühl, wenn man nicht nach Luft schnappen kann. Diese Situation ist aber zum Glück nicht ganz ungewohnt durch meine frühere Tätigkeit als Tieftaucher auf Bergseen. Nun gut, als ich mich von dieser Situation befreien konnte, stimmte mich das doch sehr nachdenklich. Eine Stelle, die überhaupt nicht gefährlich aussah, und dann so etwas. - Das Boot kam eine halbe Stunde später raus. Trotzdem konnte ich diesen Unfall schnell verarbeiten.
NIL: In den letzten Jahren warst du sehr engagiert, erzähl uns kurz von deinen Projekten.
B: Ich habe von Anfang an versucht, Bäche mit viel Wasser zu befahren. Brandenberger Ache sowie das Ötztal bei immer mehr Wasser. Und so kam es, dass ich mich mit dem Ötztal angefreundet habe. Die Küthrein- Schlucht, die mittlere Ötz, die Wellerbrücke bei Hochwasser war sicher das Interessanteste damals. Später folgten einige Erstbefahrungen in Norwegen und Österreich.
NIL: Du bist Sieger des ersten Lofer- „Extremrennen“, ist die Teufelsschlucht nicht zu gefährlich für Bewerbe dieser Art?
B: Ja, eigentlich schon, aber es ist alles gut über die Bühne gegangen. Es ist einfach toll, einen schweren Bach bei gutem Wasserstand im Boater-Cross runter zufahren. Des taugt ma, und i glaub des ist zukunftsträchtig.
NIL: Welche Pläne hast du in nächster Zeit?
B: Geplant ist viel. Ich habe leider nur sieben Wochen frei im Sommer. Nächstes Jahr geht’s nach Mittelnorwegen und in drei Jahren steht was sehr Großes auf dem Programm. Ist noch in Planung und daher streng geheim
NIL: Tirol ist nicht nur das Land der Berge. Was „muss“ man in Tirol unbedingt gepaddelt haben?
B: In Tirol ist zumindest die Brandenberger Ache Pflicht. Ansonsten die Klassiker wie Ötztal, Riesbach, Sill und die Gegend um Landeck.
NIL: Du paddelst seit wie vielen Jahren… und wie viele Höhenmeter hast du dich runtergeschraubt, um die jetzige Hochform zu erreichen?
B: Ich paddle seit 11 Jahren, und Höhenmeter gelangen mir eigentlich auch schon sehr viel und gut, aber das Training im Winter (Ausdauertraining im Abfahrtboot, oder Riesbachklamm) sind unverzichtbar gewesen.
NIL: Was macht ein Stürzer wenn er alt und gebrechlich wird?
B: Seinen Kindern zuschauen, oder jetzt mehr mit seiner Frau unternehmen, als in den jungen Jahren.
NIL: Deine Filme lassen Paddlerherzen höher schlagen. Ist es sehr aufwendig einen Kajakfilm zu machen und hast du dich am Anfang öfter in den Finger geschnitten?
B: In die Finger geschnitten eigentlich nie, aber es bedarf schon einer Menge Zeit, Stress und Kopfzerbrechen bis ein Film zurechtgeschnitten ist. Ich muss dazu noch sagen, dass mir der Olaf O. sehr unter die Arme gegriffen hat.
NIL: Was kriegen wir in naher Zukunft von dir zusehen?
B: Auf jeden Fall keine Wasserfall Befahrung die über vierzig Meter sind. Quatsch, ich werde versuchen schwierigste Streckenabschnitte sauber und perfekt zu meistern. Dazu natürlich noch Erstbefahrungen Und eventuell eine komplett Befahrung eines Großflusses.

